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Clever studieren finanzieren

Interview mit Sina Groß

Wer heute studieren will, muss eine Menge Entscheidungen treffen: Nicht nur das Angebot an Studienfächern, Hochschulen und Abschlüssen wird immer vielfältiger, auch bei der richtigen Finanzierung ist es gar nicht so einfach, den Durchblick zu wahren. „Da ist man direkt froh, nicht mehr 19 zu sein“, sagt Sina Groß augenzwinkernd.

Für alle, die vor der kniffligen Frage stehen, wie sie ihr Studium am besten bezahlen sollen, hat die 29jährige Journalistin in „Clever studieren - mit der richtigen Finanzierung“ eine Fülle von Informationen und Tipps rund um die wichtigsten Geldquellen zusammengetragen. Was würde sie aus heutiger Sicht besser oder anders machen als in der Zeit, als sie noch selbst studiert hat?

Frau Groß, wie haben Sie selbst Ihr Studium finanziert?

Sina Groß: Ganz klassisch. Die Miete für meine Studentenwohnung in Marburg haben meine Eltern bezahlt, den Rest habe ich mir selbst dazuverdient, z.B. durch journalistische Arbeit, aber auch am Fließband in der Autofabrik – da verdient man richtig gut. Außerdem war ich zehn Jahre lang Bademeisterin.

Für Ihr Buch haben Sie viele Geldquellen unter die Lupe genommen. Würden Sie die Studienfinanzierung heute anders angehen?

Sina Groß: Ganz bestimmt. Vieles habe ich als Studentin überhaupt nicht gewusst. Zum Beispiel, dass es so viele Möglichkeiten gibt, sich um ein Stipendium zu bewerben. Die meisten denken, das wäre bloß was für „Streber“, dabei zählt vor allem gesellschaftliches Engagement. Wer sich zum Beispiel ernsthaft in der Kirche, im Umweltschutz, in der Jugendarbeit oder auch in einer Partei engagiert, hat durchaus Chancen, vorausgesetzt er oder sie hat sich vorher gut informiert und bewirbt sich bei der richtigen Institution.

Und wie ist es mit einem Studienkredit?

Sina Groß: Wer sein Studium auf Pump finanziert, startet mit Schulden ins Berufsleben. Zunächst würde ich deshalb versuchen, alle anderen Geldquellen soweit wie möglich auszuschöpfen. Was kann ich selbst dazu verdienen? Leihen mir vielleicht Eltern, Großeltern oder Geschwister Geld? Bekomme ich BAföG? Auch wenn ich keine Chance auf den Höchstsatz habe, lohnt sich der Antrag. Kleinere Förderbeträge, z.B. 100 oder 150 Euro monatlich, werden oft gar nicht abgerufen.

Damit könnte man ja zumindest schon mal die neuen Studiengebühren bezahlen. Ist das besser, als einen Kredit bei der Landesbank aufzunehmen?

Sina Groß: Ja, beim BAföG handelt es sich um ein zinsloses Darlehen, die Bankkredite müssen dagegen mit rund sechs Prozent verzinst werden. Das ist zwar in der Regel weniger, als für einen privaten Dispo- oder Ratenkredit anfällt, summiert sich im Laufe des Studiums aber ganz schön auf. Außerdem ist der Zinssatz variabel. Ich weiß also noch gar nicht, wie sich meine Kreditkosten bis zum Examen entwickeln. Wenn’s irgendwie geht, würde ich auf Kredite so weit wie möglich verzichten.

Und wenn’s nicht geht? Wie finde ich den besten Studienkredit?

Sina Groß: Auf jeden Fall sollte man verschiedene Angebote einholen und genau vergleichen. Wie hoch sind die Zinsen, fallen weitere Gebühren an, wie und wann muss ich zurückzahlen? Ich würde mir immer verschiedene Tilgungspläne ausrechnen lassen, damit man genau sieht, wie lange zahle ich bei welcher Rate ab und was kostet das insgesamt an Zinsen. Ich war bei den Recherchen selbst überrascht, wie der Zinseszinseffekt die Kreditkosten nach oben treiben kann.

Auslandserfahrung ist später im Berufsleben wichtig. Wie kann ich ein Auslandsstudium finanzieren?

Sina Groß: Wenn ich an einer deutschen Hochschule studiere und nur ein paar Semester ins Ausland gehe, laufen BAföG oder auch Studienkredite meist weiter. Wenn ich aber komplett im Ausland studieren will, zum Beispiel weil ich in Deutschland am NC scheitere oder mir das internationale Lehrangebot besser gefällt, ist die Finanzierung oft ein großes Problem. Das finde ich eigentlich sehr schade. Am besten informiert man sich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD über Stipendien und Reisekostenzuschüsse.

Ihr persönlicher Tipp an alle Studenten?

Sina Groß: Auf jeden Fall genug Zeit einplanen, um sich vorher gut über die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren. Die Bewerbung für ein Stipendium ist zum Beispiel recht umfangreich, außerdem gibt es meist feste Bewerbungsfristen. Auch BAföG oder einen Studienkredit besser nicht erst in letzter Sekunde beantragen, damit das Geld zum Semesterbeginn auch wirklich pünktlich auf dem Konto ist und ich rechtzeitig weiß, welche Finanzlücken vielleicht noch gestopft werden müssen.

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